Seniorenpolitische Betrachtungen für ein lebenswertes Wilhermsdorf

Die Lebensqualität älterer Menschen zu stärken bedeutet vor allem eines: Ihnen aufmerksam zuzuhören. Ihre Lebenserfahrungen sind wertvoll und sie verdienen es, ernst genommen und aktiv in Entscheidungen einbezogen zu werden. Offener Dialog ist dafür unverzichtbar. Gesprächsrunden, persönliche Besuche, der Seniorenbeirat oder „Runde Tische der Generationen“, z.B. mit den Sprechern des Jugendparlaments, schaffen Räume, in denen alle Menschen ihre Wünsche, Hoffnungen und auch ihre Sorgen teilen können. Und genau dort entstehen die besten Lösungen – wenn Betroffene gemeinsam mit der Verwaltung an einem Tisch sitzen und miteinander statt übereinander sprechen.

Eine grundlegende Voraussetzung dafür ist eine Kommune, in der sich ältere Menschen sicher, frei und selbstständig bewegen können. Das beginnt bei gut gepflegten, sicheren Gehwegen, geht über barrierefreie öffentliche Gebäude bis hin zu seniorengerechten Haltestellen und einem verlässlichen Nahverkehr. Und manchmal hilft schon der Bürgerbus, um Menschen das Gefühl zurückzugeben, jederzeit am Leben ihrer Gemeinde teilhaben zu können. Mitfahrangebote über Wilhermsdorf hinaus sollten ausgebaut werden.

Ebenso bedeutsam ist eine verlässliche gesundheitliche und soziale Versorgung. Ärztliche Angebote, mobile Dienste, Besuchsteams und die enge Zusammenarbeit mit Vereinen, Kirchen, Nachbarschaftshilfen und sozialen Einrichtungen schaffen ein Netz, das trägt. Ein Netz, das dafür sorgt, dass niemand allein bleibt und Unterstützung leicht zugänglich ist.

Die Schaffung einer kommunalen Anlaufstelle für Fragen rund um die Pflege kann helfen, Betroffenen und Angehörigen von Pflegebedürftigen schnellstmöglich Hilfe zukommen zu lassen. Es geht hierbei um die Ermittlung des tatsächlichen Pflegebedarfs und die Unterstützung bei der Umsetzung der Pflegelösungen, sei es im häuslichen Umfeld oder stationär. Im Fall der Pflege durch Angehörige soll den Hilfesuchenden mit Rat und Tat z.B. bei der Beschaffung von Hilfsmitteln zur Seite gestanden werden. Zu den angestrebten Leistungen einer solchen kommunalen Anlaufstelle sollen auch präventive Hausbesuche und rehabilitationsorientierte Leistungen gehören. Dass diese Art der kommunalen Pflegeberatung erfolgreich ist, zeigt Dänemark seit mehr als 50 Jahren auf. Dass eine Investition in eine solche kommunale Pflegestelle auch für Wilhermsdorf von Bedeutung ist, erscheint unumgänglich.

Orte der Begegnung spielen ebenfalls eine besondere Rolle. Offene Treffpunkte, lebendige Dorfhäuser und das neue Bürgerzentrum, Vereine oder generationenübergreifende Projekte schenken Gemeinschaft. Wünschenswert ist hier sicherlich auch, dass Ideen zu generationsübergreifenden Projekten auch durch den Seniorenbeirat mitgetragen werden: Spieleabende, Bewegungs- und Kreativangebote oder digitale Medienkurse bringen Menschen aller Generationen zusammen, schenken Aktivität, Freude und das Gefühl, dazuzugehören. Weil digitale Teilhabe immer wichtiger wird, helfen Smartphone-Sprechstunden, Kurse und Unterstützung bei Online-Diensten dabei, unabhängiger zu bleiben und den Kontakt zu Familie, Freunden und der Welt nicht zu verlieren. Und schließlich ist auch das Wohnen ein entscheidender Faktor. Barrierearme und bezahlbare Wohnungen, Beratung zur Wohnraumanpassung und eine sichere Umgebung tragen entscheidend dazu bei, dass ältere Menschen ihr Zuhause auch wirklich als Heimat erleben. Wenn ältere Bürger ihre Häuser für generationsübergreifendes Wohnen mit jungen Familien öffnen, kann ihnen dies helfen, länger in ihren Häuser zu wohnen und Unterstützung im Alltag zu erhalten, wie z.B. Einkaufen, Fahrten, Rasen mähen oder Schnee schippen.

All diese Maßnahmen sind mehr als Einzelpunkte – sie sind Ausdruck eines gemeinsamen Gedankens: Eine starke Gemeinschaft lebt davon, dass wir aufeinander achten. Wenn Jung und Alt füreinander einstehen, entsteht ein Miteinander, das verbindet und trägt. Eine Kommune wird genau dort stark, wo Menschen nicht nur nebeneinander, sondern miteinander Zukunft gestalten.